Schloss Chillon, Veytaux, Waadtland ©Hannes Heinzer Fotografie / Switzerland Tourism
Reisen haben Schriftstellerinnen und Schriftsteller seit jeher inspiriert. Bereits im 18. Jahrhundert begaben sich Menschen – sofern es ihre finanziellen Mittel erlaubten – auf Bildungs- und Entdeckungsreisen durch Europa. Manche Eindrücke dieser Reisen fanden Eingang in literarische Werke, von denen viele heute zu den Klassikern der Weltliteratur zählen. Die Gegenden um Genf und im Berner Oberland spielten dabei eine besondere Rolle: Ihre Landschaften wurden zur Bühne für unsterbliche Geschichten.

Sicht auf das Lavaux und Genfersee bei Vilette im Kanton Waadt. © Nico Schaerer / Switzerland Tourism
Lord Byron und Mary Shelley in Genf
Die britische Schriftstellerin Mary Shelley hielt sich 1816 in Genf auf, wo sie die Idee zu ihrem Werk „Frankenstein“ entwickelte. Die Schweiz war für Shelley nicht nur Inspirationsquelle, sondern wurde von ihr auch als Schauplatz ihres Romans gewählt: Genf ist die Heimat Victor Frankensteins, zentrale Szenen spielen am Genfersee.
Auch Lord Byron hatte während seines Aufenthalts am Genfersee – übrigens zur gleichen Zeit wie Shelley – engen Bezug zu den Schweizer Schauplätzen. Besonders beeindruckt war er von Schloss Chillon, das am Ufer des Sees liegt. Byron ließ sich von der mittelalterlichen Festung mit ihrem historischen Gefängnis inspirieren. Er verarbeitete diese Eindrücke in seinem berühmten Gedicht „Der Gefangene von Chillon“, in dessen Mittelpunkt die Themen Freiheit, Gefangenschaft und menschliche Tragik stehen.

Schweiz. ganz natuerlich. Sicht vom First Cliff Walk bei Grindelwald. © Switzerland Tourism
Berner Oberland: Hobbits und Sherlock Holmes
Die Bergwelt des Berner Oberlands wird immer wieder mit Literatur in Verbindung gebracht. J. R. R. Tolkien war erst 19 Jahre alt, als er mit seinem Bruder die Schweiz bereiste. Die Wasserfälle und dramatischen Felswände an Orten wie Interlaken oder Grindelwald scheinen bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Fans von Tolkien sehen in den sanften Hügeln, Tälern und Alpenpanoramen der Jungfrau Region Parallelen zu den Landschaften des Auenlands aus „Der Herr der Ringe“. Zwar hat Tolkien dies nie ausdrücklich bestätigt, doch die Ähnlichkeiten nähren bis heute literarische Spekulationen und Fantasie.
Ein besonders dramatischer literarischer Schauplatz findet sich bei den Reichenbachfällen nahe Meiringen. In Arthur Conan Doyles Erzählung „The Final Problem“ kommt es hier zum legendären Kampf zwischen dem Romanhelden Sherlock Holmes und seinem Endgegner Moriarty. Der Wasserfall wurde dadurch weltberühmt und ist bis heute ein beliebtes Ausflugsziel für Krimi- und Literaturbegeisterte aus aller Welt.

Der Reichenbachfall ist eine 300 Meter hohe Kaskade von sieben Wasserfaellen im Verlauf des Reichenbachs auf dem Gebiet der Gemeinde Schattenhalb. © Switzerland Tourism
Orte rund um Genf und das Berner Oberland haben nach all diesen Jahren nichts von ihrem Zauber eingebüßt und ziehen noch heute Literatur- und Naturliebhaber in ihren Bann.
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