PresseTicker

Weiterbildung im Kompetenzcenter Familie

Fähigkeiten, die Eltern im Lebensbereich Familie lernen, können sie auch an ihrem Arbeitsplatz oder in einem anderen Lebensbereich erfolgreich anwenden. Das ist doch eigentlich simpel! Oder?

Ich bin überzeugt, dass wir Eltern in der Vereinbarkeit von Familie und Arbeit ein entscheidendes Wort mitzusprechen haben, statt uns von politischen Regelungen oder unternehmerischen Bedingungen bestimmen zu lassen. Für mich ist es nicht hinzunehmen, dass der Wert der Familie wie an der Börse gehandelt wird. Braucht man den zweiten Elternteil auf dem Arbeitsmarkt, dann steigt der Wert der Familie! Ist der Arbeitsmarkt gesättigt, dann kann ein Elternteil gerne zuhause bleiben! Ich finde das absurd!

Familie hat an sich eine Würde und damit einen nicht hinterfragbaren Wert.

Ohne Familie gibt es keine Gemeinschaft und Gesellschaft. Diese Würde von Familie wahr- und einzunehmen, darum geht es mir. Eine gute Chance hierfür sehe ich darin, dass wir Eltern beginnen, unsere Elternkompetenzen im Kontext Arbeit für uns und für das Unternehmen zu nutzen.
Familie ist das beste Kompetenzcenter. Dies ist der eine Punkt. Noch viel wichtiger ist mir, wie wir als Eltern anfangen, über unsere Kompetenzen zu sprechen, um sie für unsere anderen Aufgaben in Beruf, Ehrenamt oder anderen Lebensbereichen nutzen zu können.
Ich bin gewiss, das Klima gegenüber Eltern in Unternehmen ist von Wertschätzung geprägt, wenn Eltern ihre in der Familie erworbenen Kompetenzen proaktiv benennen und am Arbeitsplatz anbieten. Damit meine ich ein selbstbewusstes Auftreten von Eltern, die ihre Elternkompetenzen als Humanvermögen anbieten, das entsprechend entlohnt wird. Wir wissen heute, dass 70 Prozent der beruflichen Handlungskompetenzen, informell gelernt werden.

Elternzeit ist Investition in das Humanvermögen!

„Aber meine Mitarbeiter oder Kollegen sind doch nicht meine Kinder! Arbeit und Familie sind doch zwei völlig unterschiedliche Lebensbereiche. Familie und Arbeit darf man nicht zusammenwerfen!“ Dieses Argument höre ich interessanterweise weniger von Unternehmern als von Eltern. Lassen Sie mich zunächst kurz auf dieses Argument eingehen.
Natürlich unterscheiden sich Familie und Unternehmen deutlich. In der Familie gilt eine Bindungs- und Beziehungslogik. In Unternehmen ist eine Funktions- und Sachlogik notwendig. Dennoch gibt es auf der Fähigkeitsebene an der Arbeitsstelle und der Familie sehr hohe Ähnlichkeiten.

Ein Beispiel: Wenn ein Vater aus der Streitspirale mit seinem Sohn aussteigen kann, um das Gespräch später mit mehr Ruhe weiterzuführen, dann kann er dies wahrscheinlich auch tun, wenn er sich mit seinem Kollegen streitet und sich auf dem Weg in eine Eskalation befindet. Dies gelingt ihm, auch wenn die Rollenstruktur Vater–Sohn, Kollege-Kollege, Kollege-Führungskraft eine völlig andere ist. Gelernt haben der Vater und der Kollege: Wenn es in einem Gespräch hitzig wird, wenn die Emotionen in Gefahr sind, außer Kontrolle zu geraten, dann unterbrich das Gespräch und führe es später unter ruhigeren Bedingungen fort.
Dieses Hinüberschwappen von Fähigkeiten, die in der Familie gelernt und nun am Arbeitsplatz angewendet werden, ist der sogenannte Spill-over-Effekt. Da wir als Person in den verschiedenen Lebenssituationen dieselben sind, bleiben uns stets unsere Fähigkeiten erhalten, egal ob wir Eltern, Mitarbeiter, Vereinsmitglied oder Fußballfan sind. Ob wir den Spill-over-Effekt auch für uns nutzen, ob wir also erkennen, dass uns Kompetenzen zur Verfügung stehen und diese auch in der neuen Situation nutzen wollen, das steht noch offen.

Sicher, nicht alle Eltern stellen sich den Herausforderungen die Familie ihnen bietet. Doch alle Eltern haben mit ihrer Familie die besten Lernbedingungen, die ein Kompetenzcenter bieten kann:
• Familie bietet Vertrauensbeziehungen, in denen effektives Lernen möglich ist.
• Die Herausforderungen in der Familie ergeben Sinn. Dieser Sinn motiviert auch bei der Überwindung von Misserfolgen.
• Lernergebnisse wirken sich meist sofort in der Familie aus. Die Eltern und Kinder profitieren unmittelbar. Nichts motiviert besser als der Erfolg.
• Das Lernen der Eltern geschieht spontan, direkt und praxisnah im Familienalltag. Learning by doing!
• Familie bietet lang andauernde Lernprozesse. In den Jahren bis zum Auszug der Kinder aus dem Elternhaus gibt es wiederkehrende, häufig auch tägliche Lernmöglichkeiten.
• Das Gelernte muss von Eltern im fortschreitenden Familienzyklus immer wieder neu angepasst werden.
Wenn wir tatsächlich der Überzeugung sind, dass Elternschaft zu den herausforderndsten Aufgaben mit höchster Sinngebung gehört, wenn wir gewiss sind, dass Elternschaft eine Investition in das elterliche Humanvermögen ist stattdessen Entwertung, wenn wir die Geburt von Kindern bzw. Gründung von Familien nicht mehr als Urlaub, Pause oder Auszeit bezeichnen, sondern als Elternzeit oder Elternarbeit wertschätzen, dann lassen Sie uns beginnen die „Vereinbarkeit von Familie und Arbeit“ neu zu definieren. Trifft Wirtschaft auf Familie sollten beide Partner werden, denn Vorteile gibt es viele! Für Beide!

www.workfamily-institut.de

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