PresseTicker

Migration, Familie, Integration: Zahlen, Fakten und Probleme

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Von Stefan Luft

Familienzusammenführung und der Nachzug von Familienangehörigen ist weltweit ein bedeutender Zuwanderungspfad. Migrationssoziologisch handelt es sich um „Kettenwanderung“: Pioniere wandern voraus, orientieren sich im Zielland und schaffen die Voraussetzungen, damit Familienangehörige nachziehen können. Die Asylmigration der zurückliegenden Jahre lässt dies noch einmal unübersehbar werden. Kettenwanderung ist immer Gruppenwanderung, was widersprüchliche Auswirkungen auf die Integration haben kann. Die Möglichkeit, in der Fremde auf die eigene Gruppe zurückgreifen zu können, kann einerseits zur psychologischen Stabilisierung beitragen, andererseits die Öffnung hin zur Aufnahmegesellschaft erschweren.

Im Jahr 2014 wurden rund 30 Prozent aller 8,1 Millionen Familien als Familien mit Migrationshintergrund gezählt (mindestens ein Elternteil hat einen Migrationshintergrund, im folgenden MH). (s. Abbildung)

Empirisch kann festgestellt werden, dass in Migrantenfamilien traditionelle Lebensformen eher bewahrt werden (Dorbritz et al. 2016: 57 ff.). Die Auflösung der Institutionen Ehe und Familie ist hier noch nicht so weit fortgeschritten wie in der einheimischen, nicht-zugewanderten Bevölkerung.

Im Vergleich zu Familien ohne Migrationshintergrund

–          basieren Familien mit MH häufiger auf einer Ehe (80Prozent, ohne MH: 69 Prozent),

–          sind Familien mit MH seltener geschieden (Anteil von Alleinerziehenden 14 Prozent gegenüber 21 Prozent bei der Bevölkerung ohne MH),

–          haben sie zu einem höheren Anteil drei und mehr Kinder (15 Prozent gegenüber 9 Prozent ohne MH)

–          sind Migrantenfamilien doppelt so häufig armutsgefährdet.

–          Migrantenfamilien leben häufiger von staatlichen Transferleistungen als Familien ohne MH, ihr durchschnittliches Haushaltseinkommen ist geringer als bei Familien ohne.

–          Migranten leben überdurchschnittlich oft in großen Städten (43,9 Prozent im Vergleich zu 27,8 Prozent der Bevölkerung ohne MH).

–          Der Anteil der Kinder und Jugendlichen liegt bei der Bevölkerung mit MH deutlich höher als bei jenem Bevölkerungsteil ohne MH (28, 4 Prozent zu 15,4 Prozent).

–          Das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt ihrer Kinder unterscheidet sich – zugewanderte Frauen sind bei der Geburt ihrer Kinder jünger als nicht zugewanderte. In der EU sind zugewanderte Frauen um ein Jahr, in Deutschland um zwei Jahre jünger, in Großbritannien und in den klassischen Einwanderungsländern sind sie zum Zeitpunkt der Entbindung hingegen ein Jahr älter. In den Vereinigten Staaten, Frankreich und den meisten mitteleuropäischen Ländern sind im Inland und im Ausland geborene Frauen zum Zeitpunkt der Entbindung gleich alt (OECD 2015: 48).

Sozialraumanalysen zeigen, dass ethnische Konzentrationen in Stadtvierteln heute meist gleichbedeutend sind mit Armut und Kinderreichtum (ILS 2006:7). Statistisch betrachtet ist die Familie heute in den Städten „die Lebensform der sozial Benachteiligten und der Migranten“ (ILS 2006:31). Für Nordrhein-Westfalen wurde festgestellt, dass „die weitaus meisten der inzwischen zahlreicheren ‚Ausländer’ […] heute in den Stadtteilen [leben], in denen auch die meisten armen ‚Inländer’ leben, und dort leben heute (zumindest in den Städten) auch die meisten Familien und Kinder.“ (ebd.: 38). Das hat sich im zurückliegenden Jahrzehnt verfestigt, was sich vor allem in steigenden Sozialhilfedichten in den einschlägigen Vierteln ausdrückt (Luft 2009: 118 ff.). Jüngere Studien bestätigen diesen Befund.

http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2016/09/13/artikel/migration-familie-integration-zahlen-fakten-und-probleme.html

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