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Jugger – die Gladiatorenkämpfer von heute

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Schon einmal die Begriffe Pompfen oder Jugg gehört? Nein? Dann wird es höchste Zeit! Juggern erfreut sich in Deutschland einer immer größer werdenden Community. Doch was ist Jugger überhaupt und wo können Interessierte „juggern“ lernen? Das life-on Magazin hat sich auf den Weg gemacht und einen echten Jugger getroffen.

Die TackleTiger aus Karlsruhe haben sich im Jahre 2013 gegründet. In der „Open Jugger League“ der Region Süd belegen sie momentan den zweiten Platz und sind somit auf dem besten Weg, sich für die „German Jugger League“, vergleichbar mit der ersten Bundesliga, zu qualifizieren. Seit Beginn mit dabei ist Clemens Meier. Der großgewachsene Spieler stand uns in einem kurzen Interview Rede und Antwort.

life-on: Clemens, Du spielst seit gut zwei Jahren Jugger. Was können wir uns unter der Sportart vorstellen?

Clemens Maier: Jugger ist ein schneller und spannender Mannschaftssport bei dem es darum geht, den Spielball, den sogenannten „Jugg“, zu erobern und im gegnerischen Tor zu platzieren. Grob beschrieben kann man Jugger als Kombination aus mehreren Sportarten sehen, wie z.B. Rugby, Handball und Fechten. Wie bei anderen Sportarten gewinnt das Team, das die meisten Punkte erzielt. Jede Mannschaft hat einen Läufer. Er ist der einzige Spieler, der den Jugg berühren und somit punkten darf. Die anderen vier Spieler in jedem Team sind mit gepolsterten Stangen und Ketten, den „Pompfen“, ausgerüstet. Ihre Aufgabe ist es, dem eigenen Läufer den Weg zum gegnerischen Tor freizumachen und den Gegner möglichst vom eigenen Tor fernzuhalten. Wer dabei von einer Pompfe getroffen wird, muss sich für ein paar Sekunden auf den Boden knien und darf nicht ins Spielgeschehen eingreifen. Auch wenn es auf den ersten Blick sehr martialisch wirkt, ist Jugger harmloser als viele andere Ballsportarten, da alles gepolstert ist.

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In Aktion: Mit Pompfen und Ketten versuchen die Spieler Körpertreffer zu setzen.

life-on: In Deutschland zählt Fußball, Handball und Basketball zu den klassischen Mannschaftssportarten. Jugger hingegen ist ein noch recht unbekannter Sport. Was reizt Dich an der Sportart?

Clemens Maier: Jugger ist im Vergleich zu Fußball oder Handball noch ein recht junger und somit unbekannter Sport, der erst Anfang der 90er-Jahre entstanden ist. Der Reiz beim Jugger liegt für mich eindeutig in der Kombination von Team- und Einzelsportart. Man spielt in 5er-Teams gegeneinander, wobei jeder Spieler seine Position und seinen „Job“ auf dem Spielfeld zu erledigen hat. Letztendlich hängt der Sieg meistens davon ab, wie gut ein Team zusammenspielt und wie schnell man sich auf den Gegner einstellen kann. Was mir an Jugger auch gut gefällt, ist der harmonische Umgang der Spieler und der Teams miteinander.

life-on: Welche Fähigkeiten sollte ein guter Jugger-Spieler haben – Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit?

Clemens Maier: Schnelligkeit und Ausdauer gehören mit Sicherheit zu den wichtigsten Fähigkeiten. Jugger ist vergleichbar mit Handball – konditionell sehr anstrengend und verlangt Bewegungen ab, an die man nicht gewöhnt ist. In den ersten Monaten Training ist Muskelkater eigentlich immer vorprogrammiert. Entgegen dem ersten Eindruck, den Jugger hinterlässt, spielt die Kraft aber keine große Rolle. Es geht nicht darum, möglichst starke Wirkungstreffer zu setzen, sondern eher um ein schnelles Antippen des Gegners. Da die Positionen und Pompfen im Spiel aber sehr unterschiedliche Spielweisen erfordern, findet eigentlich jeder früher oder später die Position und die Pompfe, die ihm am besten liegt. Viel wichtiger sind Fähigkeiten wie Teamspiel, Absprache und vor allem Übersicht über das manchmal recht chaotische Spielfeld. Es ist unglaublich wichtig zu wissen, wo die eigenen Mitspieler, wo die Gegner und wo der Jugg gerade ist. Das zu lernen braucht aber Zeit und funktioniert am besten durch Spielen.

life-on: Wie muss man sich den Spielbetrieb vorstellen – gibt es eine Liga oder werden bislang lediglich Freundschaftsspiele ausgetragen?

Clemens Maier: In Deutschland gibt es seit 2003 eine Jugger-Liga, die „German Jugger League“, für die sich die besten Teams aus jeder Region Deutschlands qualifizieren können. Dabei hat jede Region ihr eigenes System. In der Region Süd haben wir unsere eigene Liga, die „Open Jugger League“, aus der sich die besten Teams qualifizieren. Wir, die TackleTiger Karlsruhe, liegen im Moment auf dem zweiten Platz. Ein Juggerspiel dauert in der Regel nur 30 Minuten, daher veranstalten die einzelnen Teams Turniere, auf denen dann mehrere Mannschaften gegeneinander spielen. Das größte Turnier in Deutschland ist die Deutsche Meisterschaft, die dieses Jahr bereits zum 18. Mal ausgerichtet wird und in Berlin stattfindet. Hier spielen jedes Jahr bis zu 64 Teams aus Deutschland, aber auch aus Spanien, Irland, Australien und den USA gegeneinander. Letztes Jahr war die Deutsche Meisterschaft in Villingen auch gleichzeitig die erste Weltmeisterschaft. Dort belegten wir den 17. Platz.

life-on: Du sprichst von einer Weltmeisterschaft. Heißt das, dass man als „Profispieler“ mit Juggern Geld verdienen kann?

Clemens Maier: Nein, es gibt noch keine professionellen Jugger-Spieler, dafür gibt es auch mehrere Gründe. Einerseits ist Jugger einfach noch zu unbekannt, um mit den „großen“ Sportarten mithalten zu können. Andererseits basiert das gesamte Spiel beim Jugger auf Fairness. Es gibt ein festes Regelwerk und Schiedsrichter, aber auch die können knappe Treffer oder Entscheidungen nicht immer richtig sehen oder entscheiden. Man muss als Spieler so fair sein, einen knappen Treffer anzuerkennen. Gäbe es Spielergehalt oder Preisgelder, würde meiner Meinung nach die Fairness der Spieler auf eine harte Probe gestellt werden.

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Die TackleTiger aus Karlsruhe.

life-on: Wo können Interessierte euch live in Aktion sehen?

Clemens Maier: Wir haben unser Team, die TackleTiger Karlsruhe, 2013 gegründet und trainieren seitdem zweimal die Woche im Schlossgarten in Karlsruhe. Wir waren diese Saison schon auf einigen Turnieren in ganz Deutschland – und auch in Schweden. Ende August geht es zur Deutschen Meisterschaft nach Berlin.

Und, hat euch die Lust gepackt? Die TackleTigers trainieren immer dienstags um 18 Uhr und sonntags um 15 Uhr im Schlossgarten, Karlsruhe. Weitere Informationen findet ihr auch auf Facebook oder unter www.tackletiger.de.

 

 

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