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Inklusion: Was den Kindern wirklich hilft

Ohne Idealismus und Optimismus könnten Menschen in pflegerischen, heilenden, kirchengebundenen oder pädagogischen Berufen nicht tätig sein. Ohne Idealismus und Optimismus wären sie Nihilisten oder Zyniker. Das würde keiner lange aushalten. Bei allem Idealismus und Optimismus müssen alle in den betreffenden Berufen freilich stets bestrebt sein, auf dem Boden zu bleiben: realistisch, das eigene Handeln und Urteilen stets selbstkritisch reflektierend.

Ohne einen solchen Realismus könnte man den anvertrauten Menschen nicht gerecht werden, weil man dann deren Lebenswirklichkeit ignorierte; weil man dann in die anvertrauten Menschen mehr oder weniger narzisstisch oder auch helfersyndromatisch etwas hineinprojizierte, was zwar dem eigenen Ego, dem eigenen Ich-Ideal, schmeichelte, diese Menschen aber maßlos überforderte; weil Idealismus pur, mag er noch so empathisch anmuten, auch etwas Destruktives an sich haben kann, indem er reale Optionen geringschätzt oder gar vernichtet. Zwischen diesen beiden Haltungen – hier Idealismus und Optimismus, dort Realismus und Skeptizismus – oszilliert meine eigene Betrachtung des Prinzips „Inklusion“.

In Deutschland besuchen rund 300.000 Heranwachsende (davon zwei Drittel männlichen Geschlechts) eine der etwa 3.000 Förderschulen. Bezogen auf den Bereich der allgemeinbildenden Schulen sind dies laut Statistischem Bundesamt 4,8 Prozent aller Schüler und damit vergleichbare Größenordnungen wie in Finnland (3,8 Prozent), Dänemark (4,4 Prozent) und in der Schweiz (5,4 Prozent). Je nach Bundesland ist die Inklusionsquote sehr unterschiedlich. So ist sie in Bremen angeblich 55 Prozent, in Niedersachsen 11 und in Hessen 17 Prozent. Hier scheinen freilich die Kriterien für Inklusion sehr unterschiedlich zu sein, sonst wäre diese große Differenz nicht möglich. Ansonsten ist die Inklusionsrate sehr abhängig von der Altersstufe: In Kindertagesstätten beträgt sie gut 60 Prozent, in Grundschulen rund ein Drittel und in weiterführenden Schulen rund 15 Prozent.

Jeweils gerundet, gehen rund 40 Prozent aller deutschen Förderschüler in eine Schule für Lernbehinderte, 16 Prozent besuchen eine Schule für geistig Behinderte, 11 Prozent eine Schule für Sprachbehinderte, 13 Prozent eine Schule für Verhaltensauffällige, 6 Prozent eine Schule für Körperbehinderte, jeweils ein bis drei Prozent eine Schule für Sehbehinderte oder für Gehörlose/Schwerhörige. Die Förderschüler an Förderschulen werden von rund 47.000 eigens dafür qualifizierten Lehrern unterrichtet.

Seit etwa 2010 haben wir in Deutschland eine anschwellende Debatte um „Inklusion“, also um die Beschulung behinderter Heranwachsender im regulären Schulwesen. Dass diese Debatte geführt wird, ist gut so, wenn sie denn einigermaßen sachlich geführt wird. Wenn sich freilich selbst Hochkaräter des Faches Sonderpädagogik von Skeptikern der Inklusion oder auch nur von Realisten „angewidert“ und „angeekelt“ fühlen und dies öffentlich bekunden, dann ist dem Anliegen Behinderter und Benachteiligter nicht gedient.

Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.i-daf.org/aktuelles/aktuelles-einzelansicht/archiv/2017/06/19/artikel/inklusion-was-den-kindern-wirklich-hilft.html

 

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