PresseTicker

Ein Wochenende ohne digitale Medien

In der letzten Woche hatte ich von den sozialen Medien einfach genug. Ich brauchte Urlaub von der digitalen Welt.Mal wieder einen ganzen Tag offline sein, oder auch zwei Tage.  Wie in den „guten alten Tagen“. Wie wird das und schaffe ich den „Entzug“ von meinen Lieblingsbeschäftigungen – waren meine Gedanken dazu.

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern nur einen Tag ohne  meine Facebook-Freunde zu sein. Oder keine Emails abzurufen oder online zu surfen. Vermutlich kann sich die eine oder der andere von euch an keinen Tag ohne erinnern. Die Medien sind in unserem Leben ständig präsent. Es ist ein ewiger Teufelskreis aus unzähligen Informationen und Daten. Das endet alles in einer völligen Reizüberflutung. Ständig checkst du also, was online abgeht.Du willst schließlich immer auf dem aktuellsten Stand der Dinge sein.

Ich glaube, wir überfordern uns damit. Unser Gehirn wird ständig mit einer Datenflut bombardiert. Von einer Datenflut aus Bildern, Texten, Videos und sonstigen Sensationen. Das Problem mit Google kennt jeder, wir haben eben die Qual der Wahl. Wer blickt da noch durch? Ich nicht.

Geh einfach mal offline

Die meisten von euch können sich das Leben ohne Handy und Laptop gar nicht mehr vorstellen. Wir beschäftigen uns zu sehr mit den neuen Medien. Manchmal kann das fast die Hälfte des Tages ausmachen. Mithilfe der digitalen Entgiftung, dem sogenannten „Digital Detox“ kannst du dir selbst eine Medienauszeit nehmen. Das habe ich am letzten Wochenende praktiziert. Und es war sehr überraschend, wie es verlaufen ist.  Der Trend des digitalen Entzugs ist keine neue Erfindung. Angefangen hat das Ganze unter dem Motto „Disconnect to Reconnect“ im Silicon Valley. Sogar namhafte Unternehmen wie Google, Facebook oder Microsoft erkennen das Potenzial von Digital Detox. Sie setzen ihre Mitarbeiter auf eine Digitaldiät. Und wenn die das können, dann will ich das auch probieren. Ziel des Ganzen ist es, zu entschleunigen und das Auge für die eigene Umwelt zu schärfen. Laut einer Studie der „National Sleep Foundation“ soll man sogar entspannter schlafen können.

Auch wenn du jetzt gerade keinen Urlaub vor dir hast, kannst du einen Digitalurlaub nehmen. Ich habe es für einWochenende ausprobiert und hier sind meine Erfahrungen:

Ich bin erst einmal nervös geworden

Irgendwie wirkte die vermeintliche Verminderung von digitalem Stress erst mal so, als hätte ich noch mehr Stress! Ich habe ständig aufs Handy geschaut, wollte meinen Freunden schreiben, was ich gerade so treibe. Ging aber nicht. Was mache ich mit der ganzen Zeit? Die Reichweite der Digitaldiät wurde mir erst beim Beginn richtig sichtbar.

Ich bin desorientiert und genervt

Okay, ich hätte das Ganze besser vorbereiten können. Meine eigene Abhängigkeit wird mir nun sehr schnell klar.Ohne das Internet bin ich erschreckend aufgeschmissen. Bahnfahren ohne meine „Bahn“-App ist ein Spiel mit dem Glück. Am Samstag Abend  eine Bar ohne Google Maps zu finden, in Berlin ein einziges Labyrinth. Da bleibt mir dann nur die Oldschool Variante: Stadtkarte zur Hand oder reale Leute auf der Straße fragen. Irgendwie auch schön. Habe ich doch dadurch nette spontane Gespräche geführt. Und zwar mit Menschen, die ich vorher überhaupt nicht kannte. Sie wunderten sich über meine Wochenend-Planung und schauten mir belustigt hinterher.

Ich bin dann aber entspannter,

Ein Gefühl der Entspannung und der Entschleunigung stellte sich allmählich ein. Mit dem Wissen, nicht ständig erreichbar sein zu wollen. In keinem Moment mit einer Hiobsbotschaft konfrontiert zu werden. Einfach mein eigenes Ding zu machen, machte mich echt glücklich. Adieu du gewohnte Reizüberflutung! Herzlich Willkommen liebe neue Entspannung!

aufmerksamer,

Wie viel Zeit ich oft durch die alle-fünf-minütigen Facebook Wall Checken und oberflächlichen Whatsapp Nachrichten verschwendet habe. Und plötzlich habe ich verdammt viel freie Zeit. Das förderte meine Achtsamkeit für meine Umwelt und ich entdeckte viele Dinge um mich, die mir vorher nicht aufgefallen waren. Ich beobachtete die Leute in der U-Bahn, statt auf meinen Bildschirm zu starren. Das taten ja alle anderen. Da ist meine Zugfahrt in die Nacht zum wahren Erlebnis geworden!

und sogar neu motiviert.

Nicht nur meine Achtsamkeit verbesserte sich mit den Stunden. Sondern auch meine Motivation wurde verbessert. Raus aus meiner Komfortzone, rein ins Abenteuer! Wahrscheinlich hätte ich  den Sonntagnachmittag mit einer Tüte Chips und Netflix vor mich hin gegammelt. Nun sind andere Aktivitäten gefragt. Unerwartete oder vernachlässigte Dinge, für die ich sonst keine Zeit oder Lust hatte, wurden plötzlich wieder interessant. Meinen Aktivitäten konnte ich ganz konzentriert nachgehen. Ganz ohne nervige Unterbrechungen. In die Bar oder zu Freunden gehen und einen entspannten und unterhaltsamen Abend mit der FUELBOX FREUNDE verbringen. Das war überhaupt der Knaller. Habt ihr schon mal erlebt wie sich eure Freunde um die Beantwortung von harmlosen Fragen drücken. Da wurde gekichert, geschmunzelt und angedeutet. Insbesondere in der Kategorie „Sex“ wurde echt heiß umschrieben. Jeder wusste was der andere dachte, doch keiner kam mit der Sprache raus. Das war eine Gaudi. Und plötzlich wurde es auch ruhig und nachdenklich. In der Rubrik „Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ konnten meine Freunde unsere Freundschaft beschreiben. Mit drei Worten. Spannende Antworten kamen und ich bin froh, diese Freunde in meinem Leben zu haben.

Insgesamt war das Wochenende eine Herausforderung für mich. Keine Ablenkung durch Bildschirme, Musik oder Telefonate. Nur reale Kontakte und Gespräche. Da fiel mir auch auf, welche Langeweile ich manchmal kompensiere mit dem Blick auf mein Smartphone. In den Begegnungen mit anderen Menschen gefiel mir der Humor. Dazu die Spontanität in den Situationen auf der Straße. Auch die eine oder andere Überraschung im Gespräch mit der FUELBOX hat mich begeistert. Das war nicht mein letztes Wochenende ohne digitale Medien. Der Digital Detox hat mir gut getan und ich werde mir regelmäßige Zeiten nehmen, um diese schöne Erfahrung zu wiederholen.

Der Autor

Thomas Wehrs wirkt seit fast zehn Jahren als systemischer Coach, Organisationsentwickler und transaktionsanalytischer Berater. Er doziert an der Macromedia Hochschule Berlin zu Unternehmertum, zu Führung und Motivation als auch zu Organisationspsychologie.

Sein Hauptaugenmerk liegt auf den Auswirkungen zwischenmenschlicher Bindungen in Zeiten der Digitalisierung in Teams, den Führungsebenen und den Anforderungen an Mitarbeiter und Unternehmern in Zeiten der Veränderung. Dazu hat er auch das Sachbuch „Störfall Mensch“ (2018) veröffentlicht.


www.thwehrs.com

 

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