PresseTicker

Digitale Wasserspiele in Karlsruhe

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© Foto: Patrik Alac

Wasserspiele haben eine magnetische Anziehungskraft für Menschen jeden Alters. In diesem Sommer schaffen zwei technisch wie künstlerisch avancierte begehbare Wasserinstallationen für die Karlsruher Bürger neue Kunsterlebnisräume. Und das Beste: Der Eintritt ist kostenlos!

Wasser und Stadt

Die Digitalen Wasserspiele, die in Kooperation des ZKM | Karlsruhe mit der Stadtmarketing Karlsruhe GmbH realisiert wurden, verbinden neue Tendenzen der digitalen Kunst mit der lebendigen urbanen Wasserkultur der Stadt. Ab dem 21. Juli können Interessierte das bemerkenswerte Schauspiel miterleben.

Im Sommer verwandeln Brunnenanlagen und Wasserfontänen das Bild von Städten. Zahlreiche Gemälde, Ansichtskarten, private Fotografien und Filme belegen, welche magnetische Anziehungskraft Wasserspiele für Menschen jeden Alters haben. Mithilfe des Computers lässt sich jeder Wassertropfen kontrollieren und zu Bildern oder Tönen umwandeln. Dabei werden programmierte Wassertropfen zu Pixeln, Brunnen zu realen 3D-Filmen und Wasserspiele zu einer neuen Kunstform: Ephemere Wasserfilme, Wassertexte, Wassermusik, Wassergemälde, begehbare und interaktive Wasserskulpturen oder Wasserarchitekturen erzeugen neuartige Erlebnisformen. In der Fächerstadt sind in diesem Sommer gleich zwei solcher Besonderheiten zu begutachten.

RainDance

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© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Harald Völkl

RainDance ist eine interaktive Klanginstallation des amerikanischen Künstlers Paul DeMarinis, in der Wasser als Überträger von Klangvibrationen erlebbar wird. Aus mehreren an einem Gerüst befestigten und per Computer gesteuerten Modulationsdüsen regnen Sprühstrahlen als Wassertropfen herab. Während des Modulationsprozesses wird das Wasser über ein Magnetfeld in kontrollierte Schwingungen versetzt, denen Schallwellen mit unterschiedlichen Frequenzen entsprechen. Beispielsweise gleicht ein Wasserstrahl aus 440 Tröpfchen pro Sekunde dem Kammerton A mit 440 Schwingungen pro Sekunde (440 Hz).

Passanten erhalten einen Schirm ausgehändigt und betreten eine Klanginstallation, die aus einem belaubten grünen Parcours besteht. Die Sprühstrahlen, die aus den Düsen herabregnen, transportieren die Klangvibrationen. Sobald der Wasserstrahl nicht mehr direkt zu Boden fällt, sondern eine mitschwingende Oberfläche trifft – in diesem Falleinem Regenschirm – sind verschiedene populäre Melodien wie Singin’ in the Rain von Gene Kelley unter dem Schirm zu vernehmen. Der vertraute Regenschirm verwandelt sich unter dem Wasser plötzlich in einen Lautsprecher und eröffnet einen privaten Hörraum.

RainDance ist täglich von 12:00 bis 14:00 Uhr und 18:00 bis 20:00 Uhr auf dem Karlsruher Marktplatz zu erleben.

3D WATER MATRIX

Die 3D WATER MATRIX steht für den Beginn einer neuen Generation an digitaler Wassertechnologie. Beim Eintreten in den Black Cube der Installation entfaltet sich vor den Augen der Besucher eine „theatrale“ Atmosphäre: Begleitet von mechanischen Geräuschen erscheinen in der Mitte des dunklen Raums Figurationen und Muster wie von Geisterhand in die Luft gezeichnet für einen Moment auf, ehe sie ihre Form auflösen und auf überraschende Weise in neue Formen übergehen. Im Hintergrund arbeitet eine Maschine, deren Programmierung für diese Wasserskulpturen in Echtzeit sorgt. Das Herzstück der Maschine besteht aus 900 Elektroventilen, die zu einem flächigen Gitter von 30 x 30 Ventilen (2.4 x 2.4 m) angeordnet und computergesteuert einzeln adressierbar sind. Über einen geschlossenen Kreislauf wird Wasser durch dieses System gepumpt und in einem etwa tischhohen Bassin wieder aufgefangen. Im Zusammenspiel aus dem kontinuierlichen Fall des Wassers und der exakten elektronischen Kontrolle über das Öffnen und Schließen der Ventile entsteht eine Art vertikales 3D-Video. Dieses setzt sich zusammen aus einer sukzessiven Folge an Bildkadern, die jeweils in niedriger Auflösung aus 30 x 30 Pixeln bestehen, das an ein grobkörniges Fotogramm erinnert. Ein jedes dieser Bildpixel wird als Wassertropfen oder als das Fehlen eines Wassertropfens definiert – als ein in Wasser verwandeltes Signal 1 oder in Luft verwandeltes Signal 0. Die angewandte Mechanik, die in ihrer Funktionsweise der eines Tintenstrahldruckers gleicht, erzeugt durch die Fallkraft des Wassers im Raum einen dreidimensionalen Wasservorhang oder eben eine dreidimensionale Matrix. Die Matrix selbst ist dabei weniger als Kunstwerk denn als eine Art Interface zu bezeichnen, mit dem die flüssigen Arbeiten erzeugt werden. Die für diese gigantische Installation geschaffenen Sequenzen und Softwareprogramme bilden also die eigentlichen Kunstwerke.

Im ZKM werden täglich die Installationen des japanischen Künstlers Shiro Takatani sowie des schwedischen Künstlers Christian Partos vorgeführt.

 

Alle weiteren Informationen zu den Digitalen Wasserspielen finden Sie hier.

 

Beitragsbilder: © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Harald Völkl und © Patrik Alac

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