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Der Darm hat Charme

sigrid rossmann / pixelio.de

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Darm und Verdauung sind für uns eher unliebsame Themen, über die nicht gerne gesprochen und denen wenig Beachtung geschenkt wird. Dabei wird unser größtes Organ eigentlich unterschätzt.

Der Bauch trifft nicht nur beim Essen, sondern laut Studien auch bei der Partnerwahl oder in Krisensituationen die besseren Entscheidungen. Denn wenn sich der Kopf einschaltet, denken wir nach und kommen dann oft ins Wanken.

Schon nach den alten Griechen kommt die Weisheit aus dem Bauch. Denn als dem Göttervater Zeus Schlimmes über sein ungeborenes Kind prophezeit wurde, verschlang er seine in eine Fliege verwandelte, schwangere Frau Metis. Die Göttin der Klugheit musste fortan aus seinem Bauch heraus weissagen und ihre Tochter Athene kam schließlich als Kopfgeburt zur Welt, nachdem Hephaistos den Kopf des Zeus spaltete.

Bis heute sind wir in Bauchgefühl und rationales Denken geteilt. Dabei erfolgen spontane Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ nicht chaotisch, sondern haben eine ganz eigene Logik.  Das „Bauchgehirn“ umgibt unseren Darm, denn rund um das größte Organ in unserem Körper existiert ein eigenes Nervengeflecht mit über 100 Millionen Neuronen. Kopf und Bauch sind dabei zwar gut vernetzt, der Darm hat allerdings viel mehr Verbindungen zum Gehirn als es umgekehrt der Fall ist.

Lange bevor das Gehirn entsprechend differenziert war, traf das Verdauungsorgan wesentliche Entscheidungen. Das lässt sich besonders bei Quallen gut nachvollziehen. Denn sie bestehen aus nur zwei Häuten rund um einen Hohlraum. Der innere Schlauch ist dabei für Fressen und Ausscheiden gleichermaßen zuständig, während die äußere Haut Bewegungen steuert und Sinnesreize wahrnimmt.

Während der embryonalen Entwicklung des zentralen Nervensystems teilt sich beim Menschen das Nervengewebe von Kopf und Bauch. Ein Teil der sogenannten Neuralleiste wird dabei vom Kopf umschlossen, während der andere Teil in vielen Stadien der Zellteilung in den Bauchraum wandert. Der Vagusnerv ist als Teil des autonomen Nervensystems die Verbindung zwischen beiden Zellstrukturen, über den wichtige Informationen laufen.

Der Darm ist das größte und wichtigste Kontaktorgan zur Außenwelt, in dem rund 70 Prozent unserer Immunzellen sitzen. Das Bauchgehirn prüft ständig alle Substanzen auf Tauglichkeit, steuert die Kontraktion des Darmmuskels und sorgt dafür, dass die für die Verdauung notwendigen Enzyme ausgeschüttet werden.

Bei der Geburt ist er noch nicht fertig ausgebildet, sondern entwickelt sich im Laufe des Lebens weiter. Das lässt sich daran erkennen, dass es je nach Lebensraum verschiedene Verdauungssysteme bei unterschiedlichen Spezies gibt.

Durchfall ist ein Abwehrmechanismus unseres Darms, wenn er mit Krankheitserregern konfrontiert wird. Blinddarm, Lymphknoten und Knochenmark bilden dabei gemeinsam mit lymphatischem Darmgewebe das Immunsystem.

Auch in unserer Gefühlswelt spielt der Darm eine wichtige Rolle, denn er reagiert auf Emotionen ähnlich empfindlich wie ein Herz. Das liegt daran, dass der Meißner-Plexus, der die Ausschüttung vieler Hormone und Botenstoffe steuert, dicht unter der Schleimhaut liegt. Serotonin wird als wichtiger Vermittler von Gefühlen zum Beispiel zu 90 Prozent im Darm gebildet. Darüber hinaus werden auch Abwehr- und Stressmuster schon früh oder sogar schon vor der Geburt geprägt. Denn der Körper merkt sich mithilfe des Darms Immunreaktionen, die Angst, Bedrohung und Ekel auslösen.

Um den Darm zu schützen sowie ihn vital und leistungsfähig zu erhalten, empfiehlt sich vor allem regelmäßiges Essen und Abführen. Dies hilft dem Darm, seine Funktionen als Nahrungsverwerter und Immunpolizei besser zu erfüllen. Ein hoher Anteil an Ballaststoffen ist zudem nicht nur gesund wegen seinen bioaktiven, pflanzlichen Substanzen, sondern nährt auch die Darmflora.

Besonders Abführmittel sollten nur im Notfall und über kurzen Zeitraum genutzt werden, da etwa 80 Prozent der Abführmittel die Schleimhaut des Darms reizen. Am besten geeignet sind stattdessen Quellmittel, die den Stuhl weicher machen, aber nicht vom Körper aufgenommen werden.

Auch der Darm ist nicht sicher vor Krankheiten wie Krebs. Bei rechtzeitiger Diagnose ist Darmkrebs allerdings sehr gut heilbar. Die Darmkrebsvorsorge ist dabei eine sichere und erfolgreiche Methode, wenn eine Koloskopie (Spiegelung) stattfindet. Mehr Informationen finden Sie hier.

 

Letztlich wird dem Darm oft zu wenig Beachtung geschenkt, obwohl er so wichtig für unseren Körper und unser Wohlbefinden ist. Jemand, der ihm allerdings einmal die Aufmerksamkeit gegeben hat, die er verdient, ist die Medizinstudentin Giulia Enders. Sie hat mit ihrem Buch Darm mit Charme auf sympathische Weise erklärt, wie es mit dem Darm so läuft.

Weitere Informationen dazu sowie eine Leseprobe finden Sie unter www.darm-mit-charme.de.

 

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