PresseTicker

Burnout muss nicht sein – Wege aus dem Hamsterrad

Dr. Psych's Psychopathologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Band 1

Dr. Psych’s Psychopathologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Band 1

Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr von uns gefordert wird. Der steigende Druck in einer leistungsorientierten Arbeitswelt und die Schnelllebigkeit unserer medienzentrierten Gesellschaft lassen uns ständig auf Hochtouren laufen. Ob Professorin Miriam Meckel (Chefredakteurin der »Wirtschaftswoche«), Pop-Sängerin Mariah Carey, TV-Koch Tim Mälzer oder Ski-Springer Sven Hannawald – viele Prominente litten bzw. leiden unter Burnout.

Doch nicht nur sie haben das Gefühl, ausgebrannt zu sein. Beinahe jeder scheint irgendwann einmal von einem Burnout betroffen zu sein. Dabei spielen vor allem unsere persönliche Belastbarkeit und unsere Geschäftigkeit eine Rolle, denn wer ausbrennt, muss zunächst für eine Sache »entflammt« gewesen sein. Häufig trifft es Menschen mit hohen idealistischen persönlichen Erwartungen und ausgeprägtem Engagement, die dann an der Realität des Arbeitsalltags und einer geringen Aussicht auf Erfolg scheitern.

Wenn Sie wissen möchten, ob auch Sie ausgebrannt sind, stellen Sie sich folgende Fragen:

 – Bin ich in letzter Zeit erschöpft, kraftlos und kann ich mich – auch nach Zeiten der Entspannung – nicht mehr wirklich erholen?
 – Leide ich an Stimmungsschwankungen, bin ich schnell reizbar, wütend, enttäuscht oder traurig? Bin ich frustriert oder verärgert darüber, wie andere mit mir umgehen? Zerbreche ich mehr und mehr an den Begrenzungen, die mir die Vorgaben und Strukturen meines Arbeitsalltages setzen?
 – Ziehe ich mich immer mehr zurück und vermeide ich den Kontakt zu meinen Kunden, Klienten, Patienten, Arbeitskollegen und Freunden, weil ich keine Lust mehr auf die Begegnung mit ihnen habe? Bin ich enttäuscht und setze mich nicht mehr für die Belange und Probleme anderer ein?
 Funktioniere ich im Job nicht mehr, kann ich mich nicht mehr konzentrieren, mache oft Fehler und schaffe mein Arbeitspensum nicht?
 Bin ich nur noch halbherzig bei der Arbeit, weil ich eigentlich bereits innerlich gekündigt habe?

Selbst wenn Sie jetzt bei der Beantwortung dieser Fragen das Gefühl haben, ausgebrannt zu sein, ist das noch lange kein Grund zur Panik. Es gibt Möglichkeiten, diesem Phänomen wirksam zu begegnen.

Dipl.-Psych. Hedda Rühle

Dipl.-Psych. Hedda Rühle

Dem Hamsterrad entkommen

Einfache Mittel sind: »Nein« sagen lernen, nicht alle gestellten Aufgaben sofort erfüllen, Erwartungen an sich selbst herunterschrauben, nicht mehr ständig für alle erreichbar sein, auch mal »offline« gehen und sich genug Auszeiten nehmen. Kurz: Sich dem entziehen, was unser Arbeitsalltag wie selbstverständlich von uns fordert – nämlich ständige Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit. Lernen Sie an sich selbst zu denken, nehmen Sie sich wichtig, seien Sie mutig, auch wenn es unbequem ist, gegen den Strom zu schwimmen und stehen Sie zu Ihren natürlichen Belastungsgrenzen. Sagen Sie »Nein«, wenn Sie das Gefühl haben, etwas nicht zu schaffen oder wenn Sie überfordert sind.
Doch so einfach diese Ratschläge klingen mögen, so schwer ist es, sie umzusetzen. Damit Sie dem »Ausbrennen« entgehen, ist es wichtig, dass Sie bei sich selbst ankommen, Ihre Grenzen kennen und vor allem Prioritäten setzen. Ein gutes Mittel hierfür ist die heutzutage viel zitierte Achtsamkeit, die sich inzwischen als Gegenbewegung zum »Laufen im Hamsterrad« etabliert hat. Achtsamkeit bedeutet, dass Sie alles, was Sie tun, bewusst tun, dass Sie klar und wach im Hier und Jetzt präsent sind. Denn wer achtsam ist, konzentriert sich ganz auf den gegenwärtigen Augenblick und erlebt ihn mit allen Sinnen. Anstatt auf Autopilot geschaltet von Erledigung zu Erledigung durch den Alltag zu hetzen, wird der gegenwärtige Moment in entspannter Aufmerksamkeit erlebt.

Dr. Sandra Maxeiner

Dr. Sandra Maxeiner

Entspannte Aufmerksamkeit

Probieren Sie es doch einmal aus: Schälen Sie bewusst und in entspannter Aufmerksamkeit eine Spargelstange von oben nach unten, vom Kopf zum Schnittende. Lassen Sie sich von nichts ablenken, auch nicht von Ihren Gedanken an andere Dinge. Seien Sie nur in diesem Augenblick und denken Sie nur an das gleichmäßige Schälen dieser Spargelstange. Schauen Sie sie an und registrieren Sie, wie sie sich durch das Schälen verändert. Spüren Sie die glatte, feuchte Oberfläche in Ihren Händen, hören Sie die Geräusche des Schälens. Tun Sie nichts anderes, als diesen Spargel zu schälen. Durch das tägliche Üben von Achtsamkeit bei Routinetätigkeiten werden Sie sich verändern: Wer achtsam durch das Leben geht, spürt, dass er selbst das Hamsterrad bedient und sein Tempo selbst bestimmen kann.

Sind Sie allerdings bereits mitten drin im Burnout, müssen Sie sich eine längere berufliche Auszeit zugestehen, um überhaupt wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Sinnvoll ist in den meisten Fällen auch ein Aufenthalt in einer Fachklinik, die sich auf Burnout-Fälle spezialisiert hat. Dabei können Sie Abstand gewinnen und das stationäre Therapieprogramm dazu nutzen, neue Perspektiven für Ihr Leben zu entwickeln. Machen Sie nicht den Fehler und stürzen sich sofort erneut in die Arbeit, sobald Sie das Gefühl haben, dass es Ihnen wieder einigermaßen gut geht.

Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt: Sobald Sie beginnen zu denken, »Ich sollte…« ist es Zeit, es in die Tat umzusetzen. Versuchen Sie die Scheuklappen des »Ich muss doch noch…« abzulegen, lernen Sie, mit Stress besser umzugehen und vor allem, werden Sie sich darüber klar, was wirklich in Ihrem Leben zählt und worauf es Ihnen ankommt.

Autoren: Dr. Sandra Maxeiner und Dipl.-Psych. Hedda Rühle

Literaturtipp:
Maxeiner, S., Rühle, H. (2014), Dr. Psych’s Psychopathologie, Klinische Psychologie und Psychotherapie, Band 1 (ISBN: 978-3-9523672-0-9) und Band 2 (ISBN: 978-3-9523672-1-6)

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