PresseTicker

ART KARLSRUHE 2019

Die mit der Max-Slevogt-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnete
Mainzer Galeristin und Verlegerin Dr. Dorothea van der Koelen feiert dieses
Jahr das 40. Jubiläum ihrer Galerie. Zu diesem besonderen Anlass präsentiert
sie vier außerordentliche One-Man-Shows auf der ART KARLSRUHE 2019
mit Werken und Projekten von international anerkannten Spitzenkünstlern.
Sie dokumentieren die prestigeträchtige Geschichte der Galerie wie auch ihren
zukunftsorientierten Charakter.

Schwerpunkte am Messestand: das neue, beeindruckende Biennale-Projekt
Lore Berts und ihre jüngsten, großformatigen Bildobjekte, sowie das Mappenwerk
„Aromas“ von Eduardo Chillida, die aktuellsten Werke des chinesischen
Künstlers Guang Yao Wu und spannende neue Arbeiten von Reinhard Roy.

 

Eduardo Chillida

Eduardo Chillida (*1924 † 2002 ) ist einer der bedeutendsten Plastiker des 20. Jh.
Er realisierte weltweit monumentale, gegenstandslose Skulpturen im öffentlichen Raum, die
komplexe Begriffe wie ›Freiheit‹ visuell formulieren und auf einer philosophischen Ebene
entfalten.

Schon seit Mitte der 90er Jahre beschäftigt sich Dorothea van der Koelen mit dem Werk
Chillidas. Sowohl als Galeristin, Verlegerin, Kunsthistorikerin und Kuratorin realisierte sie
zahlreiche Projekte in Zusammenarbeit mit dem baskischen Künstler.

1998 wurde eines der beeindruckendsten Kunst-am-Bau-Projekte unter der Leitung von
Dorothea van der Koelen eingeweiht: Eduardo Chillidas ›Jaula de la Libertad‹ (Käfig der
Freiheit), eine gewaltige Skulptur für die Europäische Rechtsakademie in Trier.

Zwischen 1997 und 2005 erschien im Chorus-Verlag das vierbändige, vollständige Werkverzeichnis
der Druckgraphik von Eduardo Chillida (Opus P.I, Opus P.II, Opus P.III, Opus P.IV)
– eine unentbehrliche Publikation für Chillida-Sammler, Kunsthistoriker und Galeristen.
„Die Zeichnung ist der Beginn des Weges zu einem Werk“, sagte der Künstler.

Der Ursprung von Ideen und Formen bei Chillida ist auch Thema der Ausstellung. Sie zeigt
seine im Jahr 2000 realisierte Edition ›Aromas‹ (Essenzen), die er als Orientierung im Entstehungsprozess
eines Werkes betrachtet und in reduzierten Formen visualisiert. «La forma,
al principio, es casi como un aroma indefinido que se impone a medida que va precisándose.
Este preconocimiento o aroma es mi guía en lo desconocido, en lo deseado y en lo necesario
», so Eduardo Chillida (« Die Form ist anfangs fast wie ein unbestimmtes Aroma, das
sich gegenüber den Maßen behauptet, die sich nach und nach präzisieren. Diese Vorahnung
führt mich ins Unbekannte, ins Ersehnte und ins Notwendige»).

Die Edition sowie das vollständige Werkverzeichnis der Druckgraphik von Eduardo Chillida
(Chorus-Verlag) sind Teil einer geplanten Wanderausstellung in Museen und öffentlichen
Institutionen.

 

Lore Bert

Die erfolgreiche Künstlerin Lore Bert (*1936), die in Mainz und Venedig lebt und arbeitet,
vertritt eine einzigartige Position in der internationalen Kunstszene.

In den über 300 Ausstellungen, die sie weltweit bestückt hat, zeigte sie Werke, die in einen
vielfältigen Dialog mit dem Material Papier treten und aus der sinnlichen Wahrnehmung
heraus Erkenntnisse ermöglichen. Schriften von Philosophen, Dichtern und Wissenschaftlern,
logische Zusammenhänge und Eigenschaften sind Teil ihres Universums.
Architektonische Elemente, geometrische und konstruktive Formen, sowie Zahlen und
Schriften bilden ihre künstlerische Sprache. Über 40 Monographien dokumentieren ihr
Werk. Ihre Arbeiten befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen
weltweit.

2013 begeisterte ihre Ausstellung ›Art & Knowledge‹ als offizielle Begleitveranstaltung der
Biennale von Venedig über 105.000 Besucher. 2019 realisiert sie erneut zur Biennale eine
fulminante Installation in der Lagunenstadt:

Ein raumgreifendes Environement aus Papier und dichrotischem Glas mit dem Titel ›Erleuchtung
– Wege der Erkenntnis (Heureka)‹ in der Kirche San Samuele.

Zwei durchsichtig schimmernde Glassäulen steigen aus einem weißen, dem Meer gleichenden
Feld (10 x 6 m) aus Abertausenden gefalteten Papieren, 5 Meter in die Höhe.
Eine Einladung für den Blick, das Environement aus unterschiedlichen Perspektiven zu
beobachten und dabei zu entdecken, wie Farben und Licht durch das dichrotische Glas
sowohl auf der Struktur der Säulen wie auch reflektierend in den Raum hinein sich stets
verwandeln.

Das Werk ›Erleuchtung – Wege der Erkenntnis (Heureka)‹ bezieht sich auf den Propheten
San Samuele (den Erleuchteten), offenbart sich dennoch auch in philosophischer Dimension
als Moment der Erkenntnis.

In Karlsruhe zeigt Lore Bert zum ersten Mal das Modell ihrer Installation sowie neue großformatige
Bildobjekte, die mit ihren Strukturen und farbigen wie goldenen Elementen auch
als Hommage an die Lagunenstadt zu verstehen sind.

 

Guang Yao Wu

Der in Karlsruhe lebende chinesische Künstler Guang Yao Wu (*1959) ist für seine individuelle
Bildsprache bekannt geworden, die er in Auseinandersetzung mit Grundprinzipien
des ›Konstruktivismus‹ und der ›Minimal Art‹ entwickelt hat und mit der Vorstellungswelt
der chinesischen Kultur zusammenführt.

Wu studierte in Shanghai an der School of Art und in der Akademie in Peking. Vor 30 Jahren
(1989) kam er nach der gewaltigen Unterdrückung des friedlichen Studenten-Protests
in Peking mit einem DDR-Interflug über Ostberlin nach Deutschland. Trotz seines schon in
China abgeschlossenen Studiums beginnt Wu in Karlsruhe erneut eine akademische
Ausbildung.

Die Struktur eines Bildes geht in seinem Werk vom einzelnen Punkt aus. Der Punkt als
Tropfen, als Ellipse, als Mikrophonhülle, als Kreis. Der Punkt als Grundelement einer
Struktur, die durch ein strenges Verfahren entsteht, aber den Betrachterblick von Festlegungen
befreit.

Die Ausstellung zeigt seine früheren Arbeiten mit dem Punkt als Tropfen. Die Form, entstanden
durch das Aufschlagen einer Flüssigkeit (Wasser) auf einer festen Oberfläche
(Papier), wird von Wu festgehalten und auf Filz präzise wiedergegeben und seriell reproduziert.
Ein dynamischer, einmaliger Augenblick, in anderen Worte das Spezielle, tritt ins
Gespräch mit dem Universellen. „Von einem Punkt aus kann man das ganze Universum
reflektieren“ (Guang Yao Wu).

Neben früheren werden in Karlsruhe auch seine aktuellen Bilder ausgestellt, bei denen er
sich eine neue Freiheit erlaubt: Er kombiniert Spontaneität und Emotionalität, also das Individuelle
mit dem Universellen.

Die Bilder entstehen durch ein anstrengendes Verfahren, das der akrobatischen Geste eines
Kung-Fu-Kämpfers gleicht: Der Künstler springt in die Höhe („Man muss sich in der
Luft festhalten“, sagt Wu), schlägt den Pinsel oben auf die Leinwand, zieht ihn dann blitzschnell
nach unten. Der einmalige Moment und der Zeitverlauf eines Sprungs werden
gleichermaßen dadurch festgehalten. Auch ein Punkt im Universum, wenn man will.
2019 feiert G. Y. Wu seinen 60. Geburtstag. Vor 30 Jahren zeigte Dr. Dorothea van der
Koelen zum ersten Mal eine Einzelausstellung von Wu in ihrer Galerie.

 

Reinhard Roy

Der Punkt dient dem konstruktiv-konkreten Künstler Reinhard Roy (*1948) als Gestaltungsmittel
zur Darstellung räumlicher Wirkungen auf der Fläche. Seine plastischen Arbeiten,
die in zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert wurden, zeigen dreidimensionale
geometrische Formen, die den imaginären Raum mit dem realen Raum ins
Gespräch bringen. Die Wirkung auf den Betrachter ist je nach Lichtverhältnissen und
Blickwinkel erstaunlich unterschiedlich. Den 70. Geburtstag des Künstlers und ihre langjährige
Freundschaft feierte die Galeristin 2018 mit der Einzelausstellung „Punkt – Linie –
Fläche“ und der gleichnamigen Publikation.

Roy ist im niederschlesischen Klitten geboren und in der ehemaligen DDR aufgewachsen.
Nach seinem Studium an der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Halle begann er mit
konkreten Bild-Gestaltungen, die bis heute sein Werk maßgeblich bestimmen. Seit 1983
lebt und arbeitet Roy in Frankfurt am Main. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, u.
a. den Daniel-Henry-Kahnweiler-Preis für Malerei und Graphik. 2008 hatte Roy die Ehre,
Skulpturen und Bildwerke für den Amtssitz des Bundespräsidenten, das Schloss Bellevue
in Berlin, zu entwerfen. Seine Werke befinden sich in zahlreichen öffentlichen und privaten
Sammlungen.

In Karlsruhe zeigt die Galeristin u.a. dreidimensionale Werke Reinhard Roys aus dem
Jahr 2017: Kreissegmente in weiß, schwarz oder rot, die miteinander und ineinander auf
einer Achse rotieren und sich dabei je nach Blickwinkel immer neu in den Raum projizieren.
Ein Spiel der Formen, das den Raum durch Licht und Schatten verwandelt.

Die in Mainz ausgestellten Arbeiten von Reinhard Roy sowie das begleitende Buch werden
nun in Karlsruhe präsentiert.

 

Weitere Künstler und Werke am Stand

Neben diesen Schwerpunkten präsentiert die Galerie Dorothea van der Koelen Werke von
Raimund Girke, Mohammed Kazem, Wulf Kirschner, François Morellet, Carolin Liebl &
Nikolas Schmid-Pfähler, Mario Reis, Turi Simeti, Günther Uecker und Martin Willing.

Zu allen Künstlern liegen Publikationen aus, die gerne eingesehen werden
können. Auf Wunsch schicken wir Bilddaten in Hochauflösung mit allen entsprechenden
Angaben zum Werk an die betreffenden Redaktionen.

Die bedeutende Galerie Dorothea van der Koelen in Mainz wurde im Jahr 1979 von der damals
erst 19 jährigen Dorothea van der Koelen ins Leben gerufen. Heute führt sie zwei Galerien,
darunter ›La Galleria‹, die 2001 gegründet wurde und als die kleine venezianische
Schwester gilt, einen Verlag für Kunstwissenschaft (Chorus-Verlag), die ›Dr. van der Koelen
Consulting‹ und die ›van der Koelen Stiftung für Kunst und Wissenschaft‹. 2014 eröffnete sie
in Mainz die ›CADORO – das Zentrum für Kunst und Wissenschaft‹. Die Galeristin studierte
Kunstgeschichte, Philosophie, Buchwesen und Romanistik an der Johannes Gutenberg-
Universität in Mainz und wurde 1993 mit dem Dr. phil. promoviert. 2015 erhielt sie die
Max-Slevogt Medaille in Anerkennung langjähriger und besonderer Verdienste um die bildende
Kunst in Rheinland-Pfalz. Aktuell wurde sie von Frau Ministerpräsidentin Malu Dreyer
für die Dauer der 17. Legislaturperiode in das Kuratorium der Stiftung Rheinland-Pfalz für
Kultur berufen.

 

In Kürze in Mainz:

CADORO –
Zentrum für Kunst und Wissenschaft,
August-Horch-Straße 14, 55129 Mainz

Bis 20.3.2019
»Pictures of an exhibition«

6.4. – 19.6.2019
»Mohammed Kazem – Collecting Light«
zum 50. Geburtstag des Künstlers

ab 18.8.2019
»war – ist – wird. 40 Jahre Galerie«
Jubiläumsausstellung auf sämtlichen Ebenen der Cadoro

 

Zurzeit in Venedig:

LA GALLERIA Venezia,
San Marco 2566, Calle Calegheri,
30124 Venezia

Zeitgleich zur »Kunst-Biennale«

ab 7. 5. – 24.11.2019
»was – is – will be. 40 Years of Gallery«

mit Werken von: Lore Bert, Daniel
Buren, Mohammed Kazem, Joseph Kosuth,
François Morellet, Arne Quinze,
Turi Simeti, Bernar Venet u.a.

 

Chiesa SAN SAMUELE Venezia
(Nähe Palazzo Grassi)

Zur »Kunst-Biennale«

ab 7. 5. – 24.11.2019
»Illuminazione – Erleuchtung. Wege zu
Heureka«

von Lore Bert

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